Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Bratislava’ Category

Bratislava, Mr. PREZIDENT PUB:
2x Borovička je ca. 0,80 Euro (siehe Kneipen-ABC)

Bratislava: Die Hauptstadt der Slowakei hat heute rund 500.000 Einwohner – Tendenz steigend.

Bratislava ist auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders attraktiv. Als Hauptstadt und repräsentative Metropole der Slowakei wurde sie in den 1980er Jahren etwas nachdrücklich modernisiert. Heute stört der ein oder andere architektonische Fehlgriff das mittelalterlich anmutende Stadtbild: Am Fuße der Bratislavský hrad (dt. Bratislaver Burg) schlägt sich die massive, verkehrslastige Nový most (dt. Neue Brücke, gebaut in den Jahren 1967-1972) über die Donau und schneidet den Burgberg plump von der Altstadt ab. Jenseits des Flusses mündet die Brücke dann in die angeblich größte Plattenbausiedlung Europas Ptržalka (von petržlen – dt. Petersilie).

Markantes Erkennungsmerkmal von Bratislava: Die Nový Most (dt. Neue Brücke) mit dem „Ufo“

Vom altbackenen Charme des Habsburger Pressburg ist nicht viel übrig geblieben. Eher hat man das Gefühl, sich heute in einer Welt von Touristenbespaßung und Geschäftsmännern zu bewegen. Europäische Kreditinstititute und deutsche Automobilunternehmen bauen sich schicke Filialen. 2009 hieß ein riesiges Plakat an einer Hochhauswand den Euro willkommen.

Fotoapparat, Funktionskleidung und Sonnenschutz: Touristenfluten in Bratislava

Angesagt: Sightseeing im Sitzen

Zwischen Plattenbauten, Großstadtgetümmel und Touristenfluten werden an versteckten Orten jedoch auch in Bratislava noch Wünsche wahr. In einer Seitengasse gegenüber des Präsidentenpalastes am Stadtring sitzen wir im Mr. PREZIDENT PUB. Entgegen der Erwartungen, die der Name der Kneipe vielleicht wecken könnte, trinken hier keine Staatsoberhäupter, sondern urgesteinig anmutende Stammgäste gemeinsam ihren Feierabendschnaps. Dazu gehört auch eine Gruppe Roma, die an manchen Abenden in der Ecke links neben der Bar ihre Lieder singt und dazu eindrucksvoll auf der Gitarre spielt.

Ruhepol im Stadtzentrum: Das Mr. PREZIDENT PUB

Štamgasty im Mr. PREZIDENT PUB

Heute abend aber können die Gäste sich an der Jukebox für 20 Cent ihre Wünsche erfüllen – „einmal, zweimal, dreimal.“ Aus dem bunten Kasten an der Wand schallen tschechoslowakische Evergreens. Am Tisch gegenüber sitzt eine nicht mehr ganz junge Frau mit ihren zwei kamošy (dt. Kumpels) beim Bier. Verzückt schunkelt sie im Walzertakt eines Liedes aus einem alten tschechischen Märchenfilm. „Život je pohádkou nedopsanou, vše stát se smí jen třikrát (dt. Das Leben ist eine ungeschriebene Geschichte, in der alles nur dreimal passieren darf).“

Die Frau steht auf, tänzelt zur Jukebox und wirft eine Münze hinein, um sich ihren zweiten Wunsch zu erfüllen. Erneut erklingen die romantischen Töne des Märchenliedes. „Veř mi, že to je ta na světě nejlepší zpráva pro ty kdo uvěří stane se zázrak (dt. Glaub mir, das ist auf der ganzen Welt die beste Nachricht: Für diejenigen, die daran glauben, geschieht ein Wunder).“ Verträumt legt die Frau ihren hageren Arm um die starken Schultern ihres Kumpels und singt mit glänzenden Augen lautstark „Království padne, když schází v něm láska (dt. Auch Könige fallen, wenn ihnen die Liebe fehlt)“, als glaube sie fest daran, bald endlich von ihrem Traumprinzen gefunden zu werden.

Chraň své tři oříšky třeba tě zázrak potká (dt. Heb dir deine drei Haselnüsse auf, vielleicht wartet auf dich ein Wunder).“ Die letzten Töne des Märchenlieds verklingen und die Frau erfüllt sich an der Jukebox zum dritten Mal ihren Liedwunsch: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Im Mr. PREZDENT PUB geschehen Wunder, einmal, zweimal, dreimal – „Možná taky stokrát (dt. Manchmal vielleicht sogar hundertmal).“


Diese Melodie kennt nicht nur in Tschechien jeder: Iveta Bartošovás Song zum Märchenfilm „Tři oříšky pro Popelku“ (sk. „Tri oriešky pre Popolušku„, dt. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“) aus dem Jahr 1973.

Read Full Post »