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Archive for the ‘Slowakische Bierkultur’ Category

Wer den Trinkgewohnheiten in der Slowakei stand halten will, braucht Training. Die Ziele sind hier hoch gesteckt, der Gang in die Kneipe ist nicht nur eine entspannte Abendbeschäftigung, nein – mitunter wird er auch als „Kampf“ bezeichnet. Im Osten der Slowakei wird sogar von einem trojboj (dt. Dreikampf) gesprochen. Dieser besteht aus drei Disziplinen:

1. šprint (dt. Sprint): Der Ostslowake „geht“ nicht in die Kneipe, sondern er „rennt“.


2. hádzaná (dt. Handball): Dort angekommen muss er sich im „Handball“ üben. Es bedarf einiges an Ausdauer, sich den poldecák (dt. halber Deziliter, 2½ Schnäpse) immer wieder über die Theke zuzupassen.

3. orientačný beh (dt. Orientationslauf): Nach dem Spiel, schon ein bisschen müde und kraftlos, muss der Kneipengänger noch die letzte Disziplin meistern: Den „Orientationslauf“ mit dem Ziel, das Zuhause wiederzufinden.

Zur Erklärung der Illustrationen: Als deutsche Touristen üben wir das Ganze noch ein bisschen und nehmen die Sache nicht unbedingt "bierernst".

Vor der Ausdauer der Ostslowaken ziehen sogar die Westslowaken den Hut (klobúk dole! – dt. Hut ab!) – die Ostslowaken behaupten nämlich von sich selbst, sie hätten das erste Perpetuum Mobile (Prinzip „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“) der Welt erfunden. Im ostslowakischen Dialekt funktioniert das folgendermaßen:

Vypi bo naľato! = Trink‘ doch aus – es ist eingeschenkt!
Nalej bo vypito
! = Schenk‘ doch ein – es ist ausgetrunken!

Sollte man sich nun fragen, wie es möglich ist, unter solchen Umständen überhaupt zu überleben – keine Angst: Der Staat weiß Rat! In der Slowakei ist er redlich darum bemüht, Ordnung in den Umgang mit dem Alkohol zu bekommen. Zur einfacheren Orientierung im Alltag findet sich in den potraviny (dt. Lebensmittelgeschäften), an Kiosken und in der Getränkekarte stets die verlässliche Unterscheidung zwischen alko (dt. alkoholische Getränke) und nealko (dt. alkoholfreie Getränke) – in eben dieser Reihenfolge!

alko // nealko

Im Gegensatz zum Deutschen darf der Slowake nur mit 0,00 Promille ans Steuer. Auch wer alkoholisiert ein Fahrrad besteigt wird von der policía (dt. Polizei) mit einer Ordnungsbuße bis hin zum Führerscheinentzug bestraft. Der unter 18-Jährige darf offiziell überhaupt nichts mit Alkohol zu tun haben.

Seit einiger Zeit läuft auch eine Kampagne, die die Bevölkerung dazu anhält, „mit Verstand zu trinken“ (sk. piť s rozumom) Die Schlussfolgerung daraus, dass der Slowake an sich ein eher kopfloser Trinker ist, ist somit irgendwie naheliegend. Der Brauereikonzern Heineken informiert auf seiner Webseite ausführlich über die Gefahren und Konsequenzen (http://www.piterozumne.sk/index.php?m=home), zu denen der Alkoholkonsum führen kann: Wer verantwortungsvoll zum Glas greifen möchte, sollte Alkohol unbedingt mit Ruhe genießen und sich darüber im Klaren sein, dass es auch Situationen im Leben gibt, in denen es besser ist, gar keinen Alkohol zu trinken. Die Frau sollte ihren Konsum auf ein alkoholisches Getränk pro Tag, der Mann auf zwei beschränken.

Der Jugendliche hingegen kann auf die Kampagne Pite s rozumom – od 18 rokov (dt. Trinkt mit Verstand – erst ab 18 Jahren) gelassen reagieren: Wer jünger als 18 Jahre ist, darf offenbar noch ohne Verstand trinken.

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Die Rolle und die Tradition des Bieres in der Slowakei ist in Wahrheit gar nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Dem routinierten Kneipengänger sticht schon von Weitem das rot leuchtende Schild an der Hauswand ins Auge – Corgoň, Topvar oder Šariš (siehe Kneipen-ABC) prangt über dem Kneipeneingang und informiert über den Inhalt des hiesigen Zapfhahnes. Doch obwohl er sich bei einem Spaziergang durch Dörfer, Wälder und über Hügel stets darauf verlassen kann, in regelmäßigen Abständen ein solch vertrautes Schild zu erblicken, ist das Bier in Wirklichkeit kein traditionell slowakisches Getränk.

Urige Dorfkneipe in Valeská Belá

"Unter dem Birnbaum" in Trenčin

Der Bierverbrauch pro Kopf ist in der Slowakei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gar nicht so hoch – mag man zumindest offiziellen Statistiken glauben: Die große Schwester Tschechien ist ungeschlagener Spitzenreiter was die Vernichtung des köstlichen Gerstensaftes betrifft. Mit der höchsten Bierproduktion folgt mit sicherem Abstand Deutschland auf dem zweiten Platz.

Die Slowaken erklären sich ihren weit abgeschlagenen 13. Platz laut der offiziellen Bierstatistik von 2010 folgendermaßen: Bier ist zwar fester Bestandteil der slowakischen (Trink-)Kultur, aber nur auf Grund der tschechischen und deutschen „Einflüsse“. Das wahre Getränk der Slowaken ist der pálenka (dt. Schnaps; zu seiner Bedeutung siehe Kneipen-ABC), der traditionell gebrannt wird – egal ob legal oder illegal. So ist das Bier nicht unbedingt als das zentrale Getränk des Kneipenbesuches zu werten. Es wird eher zum Runterspülen des Destillats bestellt und gehört damit ganz selbstverständlich zum Interieur, ist sozusagen der angestammte Statist am Kneipentisch.

Auch mit der Brauereisituation in der Slowakei verhält es sich tatsächlich nicht besonders rosig: Die meisten Bierbrauereien wurden mittlerweilen von Heineken (Niederlande) und SABmiller (England) aufgekauft. Seit den 1960er Jahren produziert Heineken viele slowakische Biersorten zentral in einer Großbrauerei in Hurbanovo, im Südwesten des Landes.

Verblieben sind jedoch einige eigenständige Klein- und Hausbrauereien. Diesen lohnt es sich durchaus, einen Besuch abzustatten. Ganz besonders hübsch sind kleinere Hausbrauereien wie Golem in Košice, die Pivovar Perla in Banská Bystrica (siehe DIE REISE ZUM MITTELPUNKT EUROPAS) oder Richtár Jakub in Bratislava (auch Omama Shop Café).

Im Golem in Košice: Vielversprechend steht der Braukessel direkt neben dem Eingang.

Geheimtipp der Stadtbewohner: Die Perla in Banská Bystrica

Omama Shop Café (Brauerei Richtár Jakub) in Bratislava : Nostalgie an den Wänden und im Glas

Hier wird Selbstgebrautes in gemütlichem Ambiente ausgeschenkt, oftmals stehen die Braukessel mitten in der Kneipe. Zum Bier gibt es ein ausgewähltes Angebot an kleinen Mahlzeiten und Spezialitäten.

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Zlatý Bažant (siehe Kneipen-ABC) ist nicht etwa nur eine ordinäre Biermarke, sondern auch…

... Zucker für das Heißgetränk (Dubnica nad Váhom)

... ein mobiler Kinoapparat (Banská Bystrica)

... Kulturvermittler als Letný Bažant (Bratislava)

... das älteste Getränk der Welt, hat weniger Kalorien als ein Glas Milch und passt zu jedem guten Essen

... ein Restaurant in einem ausrangiertem Straßenbahnwaggon (Košice)

... seit Neuestem auch ein Halbbiergetränk: Radler

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